Greta Silver

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Eine sechzigjĂ€hrige Frau sagte zu mir: „Als NĂ€chste bin dann wohl ich an der Reihe. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Was soll jetzt schon noch groß passieren?"

Ich sah sie fassungslos an.

„Vierundzwanzig Jahre liegen noch vor dir", sagte ich. „Rechne diese vierundzwanzig Jahre zurĂŒck. WĂŒrdest du die Zeitspanne von deinem sechsunddreißigsten Geburtstag bis heute als öde bezeichnen?"

„Aber nein! Da war ich doch noch jung."

„Vierundzwanzig Jahre sind vierundzwanzig Jahre. Was soll an den Jahren, die vor dir liegen, schlechter sein als an denen, die hinter dir liegen?"

Vieles fÀngt doch gerade erst richtig an.

Foto: Nina Stiller
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Alter ist das spannendste Startup, das je gegrĂŒndet wurde!

Die Angst der Wirtschaft, die Alten seien nicht flexibel genug, ist lÀcherlich.
Wir sind die Generation der QuantensprĂŒnge – die JĂŒngeren erleben Updates.
Wir haben Systeme neu erfunden, sind zum Mond geflogen – sie leben im
Feintuning.

Wandel ist unser Zuhause: wir sind nicht digital geboren, sondern wir haben ihn in die Welt gebracht und sind mit ihm ganz selbstverstÀndlich gewachsen:
Lochkarte - PC - Internet - Handy - KI. Wir haben uns permanent gewandelt – von der Schreibmaschine zu Word, von Filmrollen zu Digitalkameras – vom
Schwarzweißfernseher bis Netflix.

Von der Hausfrauen-Ehe zur Vorstandsfrau, vom Stechuhrdenken zu New Work, vom Tante-Emma-Laden zum Globalplayer-Supermarkt.

Unsere Generation hat den grĂ¶ĂŸten Technologiesprung der
Menschheitsgeschichte erlebt und die grĂ¶ĂŸten gesellschaftlichen UmbrĂŒche der Moderne mitgestaltet.

Auch uns brannte das Wohlergehen der Welt auf den NĂ€geln: daher gibt es
Greenpeace, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen. Wir haben fĂŒr die
Friedensbewegung und den Atomausstieg demonstriert.

Lasst uns gemeinsam weitermachen - nicht gegeneinander.

Alter ist das spannendste Startup, das je gegrĂŒndet wurde.
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Wenn es allgemein bekannt ist und sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen altern und jeder eines Tages sterben wird, haben dann nicht eher diejenigen eine Schraube locker, die ewig jung bleiben wollen?

Und ist das auf Dauer nicht langweilig? Ich weiß doch, wie es sich anfĂŒhlt mit zwanzig, dreißig, vierzig, fĂŒnfzig und auch sechzig. Das kenne ich zur GenĂŒge.

Jetzt ist Neuland. Jetzt ist spannend. Aber um das zu erleben – ich möchte fast sagen, um zu wagen, es zu erleben–, muss man sich von einigen festgefahrenen Vorurteilen und Gewohnheiten trennen.
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Die Zeit zwischen 60 und 90 Jahren ist genauso lang wie die zwischen 30 und 60. Doch wĂ€hrend die ersten 30 Jahre oft mit Karriereschritten, FamiliengrĂŒndung und Selbstfindung gefĂŒllt sind, wird die Phase danach oft unterschĂ€tzt.

In Wahrheit liegt hier ein riesiges Potenzial. Mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren ist das Leben jenseits der 60 alles andere als ein „Endspurt“. Es ist vielmehr eine BlĂŒtezeit, in der wir unsere Erfahrungen nutzen können, um weiterhin aktiv und erfĂŒllt zu leben.

Man muss dabei nicht reich oder kerngesund sein, um ein erfĂŒlltes Leben zu fĂŒhren. Funktionierende Beziehungen sind das, was das Leben lebenswert macht – nicht nur zu Partnern oder Freunden, sondern auch die kleinen, alltĂ€glichen Begegnungen, die uns Freude bereiten. Es sind oft die scheinbar unwichtigen Kontakte, die unser Leben bunter machen.
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Niemand wird sich vor dich hinstellen und sagen: „Ich mache jetzt dein Leben schön.“ Kein Partner, kein Job, keine Ă€ußeren UmstĂ€nde können das fĂŒr dich ĂŒbernehmen.

GlĂŒck kommt nicht von außen. Es ist deine eigene Verantwortung.

Wenn du glĂŒcklich sein willst, dann liegt es an dir, aktiv dafĂŒr zu sorgen. Das gilt fĂŒr dein Leben genauso wie fĂŒr deine Beziehungen – denn auch sie brauchen Aufmerksamkeit, Einsatz und die Bereitschaft, Verantwortung zu ĂŒbernehmen.

Wer darauf wartet, dass das GlĂŒck von allein kommt, wird oft enttĂ€uscht. Wer selbst etwas dafĂŒr tut, kann es jederzeit finden.
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Es war mir unendlich wichtig, meinen Kindern meine Werte zu vermitteln. Wir backten PlĂ€tzchen fĂŒr Menschen im Seniorenheim, schickten PĂ€ckchen in andere LĂ€nder und malten uns aus, wie die Kinder dort auf diese Überraschung reagieren wĂŒrden.

Ich wollte, dass meine Kinder fĂŒhlen lernten, wie schön es ist, Freude zu bereiten.
Vielleicht steckt dieser Impuls in allem, was ich heute tue. Ich liebe es, anderen eine Freude zu machen.

Foto: Nina Stiller
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Die Lebensmitte ist eine besondere Phase. MÀnner sprechen von der Midlife-Crisis, Frauen kÀmpfen mit den Wechseljahren und plötzlich wird uns bewusst, dass Zeit endlich ist.

Genau jetzt tauchen oft lange verdrĂ€ngte TrĂ€ume wieder auf. Doch zu oft höre ich von Frauen den Satz: „DafĂŒr bin ich zu alt.“ Zu alt? Oha!

Unsere TrÀume haben kein Verfallsdatum. Die Frage ist nicht, ob du alt genug oder jung genug bist, sondern ob du bereit bist, sie endlich anzugehen.
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„Das lohnt sich nicht mehr.“ Dieser Satz beendet mehr TrĂ€ume als jedes Alter. Und das VerrĂŒckte ist:

Viele sagen ihn schon ab 40. Dabei ist von 60 bis 90 genauso viel Leben wie von 30 bis 60. FrĂŒher, wenn der letzte Bus in einer Stunde kam, sind wir nicht gegangen, sondern erst recht auf die TanzflĂ€che. Heute steigen wir aus, obwohl noch Musik lĂ€uft. Dieses Video ist ein Weckruf.
Heute scheint es fast zum guten Ton zu gehören, keine Zeit zu haben. Wer beschÀftigt, immer auf dem Sprung und voll verplant ist, gilt als erfolgreich. Aber ist das wirklich so?

FĂŒr mich ist der grĂ¶ĂŸte Erfolg, bewusst Zeit zu haben – und sie mir zu nehmen. Ich möchte nicht die Sklavin meines Terminkalenders sein. Mein Leben ist zu kostbar, um es nur zwischen Terminen zu verbringen.
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Menschen, die öfter alleine sind, als sie es sich wĂŒnschen, erleben weniger GlĂŒck. Ab der Lebensmitte kann das sogar die Gesundheit und Gehirnfunktion stĂ€rker beeintrĂ€chtigen als bei Menschen in erfĂŒllenden Beziehungen. Tragisch, aber wahr: Einsame Menschen sterben frĂŒher als jene, die sich verbunden fĂŒhlen. Doch wir wissen, dass man selbst in einer Menschenmenge oder sogar in der Ehe einsam sein kann.

FĂŒr mich ist es unerlĂ€sslich, Zeit mit mir selbst zu verbringen, um glĂŒcklich zu sein. Aber auch ich habe erlebt, wie einsam man sich in einer Ehe fĂŒhlen kann, wenn das VerstĂ€ndnis fehlt. Es ist nicht das Alleinsein, das zĂ€hlt, sondern das GefĂŒhl, verstanden zu werden.
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Ein Rollator, ein Treppenlift... und schon schleicht sich der Gedanke ein: „Jetzt bin ich alt, jetzt brauche ich gar nichts mehr anfangen.“ Dabei sind diese Helfer nichts anderes als eine Waschmaschine, ein Auto oder ein Fahrstuhl. Sie erleichtern uns das Leben, ohne dass sie etwas ĂŒber unsere Energie und Lebensfreude aussagen. Wir haben doch nicht in jungen Jahren gejammert, dass es leider zu mĂŒhsam wird, die WĂ€sche mit der Hand zu waschen und wir daher leider eine Waschmaschine brauchen. Wieso fangen wir im Alter mit dieser schrĂ€gen Beurteilung an. Da fĂŒhrt ja in unseren Köpfen der Treppenlift direkt in den Sarg - dabei ist der wie ein Ferrari, der fĂ€hrt von A nach B und der Treppenlift von oben nach unten.
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