Kommt mir sehr bekannt vor: Der „Milch im Kaffee kostet nun extra“- Moment, wenn es eng wird.
Das erinnert mich an Diskussionen, die ich selbst bei Restrukturierungen führen musste.
Die Situation: Die Dividende steigt, die Gewinnbeteiligung fällt- und plötzlich steht die Gratis-Milch in der Kaffeemaschine zur Disposition.
Fiskalisch verständlich, auch wenn die paar hundert Euros in Nachkommastellen verschwenden werden.
Auch aus Symboliksicht naheliegend: alle sollen hautnahe spüren, dass es knapp ist.
HR-psychologisch ist es aber ein Desaster, denn es bricht den psychologischen Vertrag.
In Krisenphasen braucht ein Unternehmen die maximale Extrameile seiner Leute. Wenn man aber marginale Benefits streicht, signalisiert man:
„Euer täglicher Einsatz ist uns nicht mal der Schluck Milch wert.“
Diese negative Symbolik zerstört die Identifikation schneller, als jede Bilanz davon profitieren könnte. Die Kosten durch Demotivation und innerliche Kündigung sind um Potenzen höher als die Ersparnis beim Wareneinsatz.
Es war damals nicht einfach, mich mit diesen Argumenten gegen den harten Kostendruck durchzusetzen.
Aber genau in solchen Momenten zahlt sich das Vertrauen des Business in HR aus, das man in guten Zeiten mühsam aufgebaut hat.
HR ist zwar keine exakte Wissenschaft, aber wir haben oft das bessere Gespür dafür, was langfristig wirkt- auch wenn es im ersten Moment kontraintuitiv erscheint.
Wer an der Kultur spart, zahlt am Ende übrigens bei der Performance die Zeche!
#RTL