#KeinePolitik
Spanien spielte Fußball, versuchte es zumindest. Argentinien verweigerte ihn. Nach 110 Minuten hatte der amtierende Weltmeister keinen einzigen Torschuss abgegeben; am Ende standen 22 spanische gegen zwei argentinische Versuche. Aber 25 Fouls. Das war die sportliche Entsprechung einer Politik, die keine Lösungen durchsetzen will, sondern davon lebt, dass auch alle anderen nichts mehr zustande bringen: nicht gestalten, sondern das Spielfeld unbespielbar machen.
#AsymmetrischeRegeln
Ständig dasselbe Muster: Ein Spanier wurde umgerammt, der Argentinier stand mit Unschuldsmiene daneben. Umgekehrt wurde bei jeder Berührung reklamiert, gestikuliert und der Schiedsrichter bedrängt. Man selbst darf treten; der Gegner soll schon für Körperkontakt bestraft werden. Genau diese asymmetrische Moral kennen wir von Trump, AfD & Co.: Regeln gelten vor allem für die anderen.
#GestohleneWM
Enzo Fernández musste mit Gelb-Rot vom Platz. Nach meiner Wahrnehmung waren mindestens zwei weitere Aktionen rotwürdig; Paredes bekam seine Rote erst nach dem Abpfiff. Hätte der Schiedsrichter konsequent durchgegriffen, hätten wir vermutlich noch 2036 von der „gestohlenen WM“ gehört. Wie Trump bis heute von der „gestohlenen Wahl“ erzählt: Niederlagen werden nicht anerkannt, sondern in Verrat umgedeutet.
#DieSpannung
Ich fand dieses Finale nicht spannend, weil beide Mannschaften gewinnen konnten. Die Spannung bestand für mich fast nur in der Angst, Argentinien könne sich ins Elfmeterschießen mogeln und es dort gewinnen. Dasselbe Gefühl hatte ich bei Paraguay gegen Deutschland: den Fußball auf Zermürbung reduzieren, das Spiel überleben und dann auf die Lotterie hoffen. Das kann erfolgreich sein. Aber Erfolg macht eine Strategie nicht bewundernswert.
#GemeinsamesSpiel
Natürlich darf jede Mannschaft kompakt und hart verteidigen. Der Unterschied liegt zwischen Verteidigung und Destruktion, zwischen Wettbewerb und Sabotage. Demokratie braucht ebenfalls Konflikt, Opposition und Härte. Aber sie funktioniert nur, solange alle ein gemeinsames Spiel ermöglichen, statt nach jedem eigenen Foul die Unschuldsmiene aufzusetzen und bei jeder Entscheidung gegen sich den Schiedsrichter zum Feind zu erklären.
#FußballIstGold
Spanien blieb ruhig. Es ließ sich nicht in Rudelbildung, Opferinszenierung und Zynismus hineinziehen. Es spielte weiter. Und gewann. Für mich war das mehr als ein verdienter WM-Titel. Es war die Genugtuung, dass Gestaltung stärker war als Zerstörung. Wäre Argentinien mit dieser Totalverweigerung Weltmeister geworden, wäre das eine Schande für den Fußball gewesen.