Sebastian Pape

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Bin ich ein richtiger Mann?

Diese Frage bedrängt offensichtlich viele Geschlechtsgenossen. Sie buchen haarige Männlichkeitscoaches und springen nackt ums Lagerfeuer.

Ich habe mir die Frage nie gestellt. Vielleicht, weil ich vom Dorf bin. Ich habe einen Pimmel und mag Frauen. Das hat mir immer gereicht.

Um gegen meinen Übervater zu bestehen, habe ich mir, quasi als Überlebenstool, ein recht beeindruckendes Dominanztheater angeeignet. Von ihm stammt auch mein radikales Einstehen für Schwächere.

Meine Mutter hat mir beigebracht, einer Frau in den Mantel zu helfen und ihre Haare bei Bedarf behutsam über den Kragen zu legen.

Ich weine bei Dokumentationen über Pinguine, ziehe mich manchmal drei mal um, bevor ich das Haus verlasse, und mit meinem Bruder werfe ich im Garten mit Äxten und Messern auf ein Holzbrett.

Macht all das mich zu einem richtigen Mann? Keine Ahnung. Darüber verliere ich keinen Gedanken. Und wenn du ein Mann bist und manchmal gerne Kleider trägst, wie mein Freund Jo, dann ist das halt deine Art, Mann zu sein.

Es gibt keine falschen Männer. Keine falschen Frauen. Es gibt nur unsinnige Erwartungen. Und damit können wir gerne heute alle aufhören.
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Ich bin der Geilste, ihr Pussies!


Das ist irgendein Auto. Es steht irgendwo und gehört irgendwem. Irgendwann hat es irgendwas gekostet.

Jetzt kommt der Teil, wo du dir selbst irgendeinen zusammenhanglosen Scheiß mit Erfolg, Status und Insmachenkommen zusammenrumpeln kannst, da habe ich nämlich grade irgendwie keinen Bock drauf.

Am Ende ist es aber so, daß ich der Geilste bin, und wer nicht ist wie ich, ist komplett lost, weird oder welche Beleidigung auch immer grade in ist.

Meine superteure Dienstleistung spart dir jedenfalls irgendwie Geld oder macht dich reich oder was weiß ich.

Kauf mich. Ich bin dumm und verzweifelt.
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Manchmal habe ich eben einfach Angst.


Schiermonnigkoog, schönste Insel der Welt, aus der einzigen Bar dringt die Stimme einer Sängerin, zarte Klavierbegleitung. Davor sitzen freundliche Menschen in der Abendsonne, lachen und trinken wahnsinnig teures Bier.

Und ich stehe auf der anderen Straßenseite und möchte dabei sein, unter den fröhlichen Menschen sitzen, teures Bier trinken und der Musik lauschen. Aber ich kann nicht.

Ich fahre in die Dünen, setze mich mit Blick aufs Meer in den warmen Sand und fühle mich geborgen. Ich habe meinen Frieden mit meiner Angst gemacht, wie mit einem nervigen Onkel, der immer zum falschen Zeitpunkt überraschend zu Besuch kommt.

Ich weiß, daß die Angst auch wieder geht. Wie der Onkel. Ich weiß, daß es einmal viel mehr unangenehme Verwandte gab, die mich viel Kraft gekostet haben, mir Freude geraubt, mich in mir selbst eingesperrt haben.

Deswegen ist es okay, heute Abend nicht in diese Bar zu gehen. Ich habe meinen Frieden mit meiner Angst gemacht. Und morgen stehe ich wieder vor der Bar, und vielleicht schaffe ich es bis zum Tresen. Dann trinke ich ein teures Bier und feiere meinen Mut.
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Ich bin Ausländer. Auch in Deutschland.


Zum Beispiel beim Barber um die Ecke. Da habe ich eine Stunde lang gesessen und wurde ignoriert. Zehn Kunden, die nach mir kamen, wurden vor mir bedient.

Keiner hatte einen Termin. Alle hatten schwarze Haare. Ich habe es ausgesessen und wurde irgendwann höflich frisiert.

Es war ein soziales Experiment. Ich wollte Menschen Gelegenheit geben, unbefangen mit mir umzugehen, denen ich fremd bin.

Ich bin fremd, weil ich anders aussehe. Das ist die Wahrheit über Integration: Wir leben nicht miteinander. Wir leben nebeneinander her.

Diese Menschen sind meine Nachbarn. Sie leben seit Generationen in Deutschland, aber wir reden nicht miteinander. Weil sie schwarze Haare haben, und ich nicht?

So ein Experiment kann nicht beim ersten Mal funktionieren, logisch. Aber ich werde es wieder tun. Wir bleiben einander fremd, wenn wir nicht aufeinander zugehen.

Bis dahin schneide ich mir weiter selbst die Haare. Gar nicht schlecht, oder? Frohes Fest ihr Lieben.
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Wer bist du?


Ich bin, was ich habe.
Ich bin, was ich leiste.

Ich bin, was ich kann.
Ich bin, was ich darf.

Ich bin, was ich muss.
Ich bin, was ich will.

Ich bin, was ich tue.
Ich bin, was ich fühle.


Sprich diese Sätze laut aus. Welcher davon fühlt sich richtig an?


Ergänzung, nach ca 50 Kommentaren: Es gibt viele originelle Möglichkeiten, der Frage auszuweichen. "Ich bin" ist sehr beliebt.

Dafür gibt es gute Gründe. Manchmal sieht eine Aufgabe nur einfach aus.
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Muss ich behindert sein, um eine behindertengerechte Toilette zu benutzen?


Kino voll, gleich fängt der neue Spider-Man Film an. Lange Schlangen vor den Klos. Ich gehe durch die Tür mit dem Rollstuhl. Murren. Hinterher böse Blicke.

Zu Recht? Oder reicht meine Panik in langen Schlangen aus, um das zu rechtfertigen? Kann nicht einfach jeder diese Toiletten benutzen?

Sollten in Wirklichkeit nicht einfach alle Toiletten JEDEM zugänglich sein? Genau wie Restaurants, Banken, Behörden, Eisdielen und Clubs?

Was sagen die Juristen?
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