Ich wurde neugierig und habe weiter recherchiert. Als Auslöser für diese Massnahme habe ich eine Untersuchung des WSJ über die Arbeitskultur in der Branche identifiziert. Diese zeigte unter anderem, dass Nachwuchsbanker bei der Bank of America regelmässig angewiesen wurden über ihre Arbeitszeiten zu lügen, nachdem Anfang Mai ein 35-jähriger Mitarbeiter an einem Blutgerinnsel in einer Arterie starb, nachdem er zuvor mehrere 100-Stunden-Wochen gearbeitet hatte. Eine Umfrage bei Goldman Sachs, ergab, dass die durchschnittliche Arbeitszeit für Junior-Banker im Investment Banking bei unglaublichen 98 Stunden pro Woche liegt. Mitarbeiter berichten, dass sie durchschnittlich nur 5 Stunden pro Nacht schlafen und im Schnitt erst um 3 Uhr morgens ins Bett gehen.
Ist das nicht Wahnsinn? In der Finanz- und übrigens auch in der Beratungsbranche scheint immer noch der Glaube zu herrschen, dass endlose Arbeitsstunden ein Zeichen von Engagement und Erfolg sind.
Die Forschung zeigt jedoch klar, dass Überarbeitung nicht nur die Qualität der Arbeit mindert, sondern auch langfristig gesundheitsschädlich ist. Mein Kollege Albrecht Vorster hat in seinen Studien gezeigt, dass übermüdete Menschen weniger empathisch, risikofreudiger und aggressiver sind als ausgeschlafene – ähnlich wie jemand, der betrunken ist.
Wenn jemand alkoholisiert am Morgen zur Arbeit erscheint, schicken wir ihn umgehend wieder nach Hause. Wenn jemand aber tagelang fast durcharbeitet und sich jeden Tag aufs Neue ins Büro schleppt, wird er oder sie noch als Held der Arbeit und echtes Vorbild gefeiert.
Ist es nicht an der Zeit dieses System zu ändern? Wann erkennen wir endlich, dass langfristiger Erfolg nicht durch endlose Stunden, sondern durch nachhaltiges Arbeiten und Regeneration erreicht wird? Die Illusion, dass mehr Arbeitsstunden bessere Ergebnisse bringen, ist längst widerlegt. Die neue Regelung bei JP Morgan die Arbeitszeit auf 80 Stunden pro Woche zu reduzieren klingt für mich wie Hohn. Kein Leistungssportler würde auf die Idee kommen 16 Stunden durchzutrainieren, spät zu Bett zu gehen und im Schnitt nur 5 Stunden zu schlafen. Jeder Athlet weiss, dass Hochleistung nur erzielbar ist, wenn man die gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung beherrscht.
Was denkt ihr darüber? Und wo zieht ihr die Grenze zwischen gesundem Engagement und Überarbeitung?
Herzlichst Euer
Wolfgang
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